Grenzüberschreitende Nutzung von Fahrzeugen – Aufgepasst, die Zoll- und Steuerbehörden sind aktiv

Wie bereits in unseren Beiträgen vom 18. Februar 201530. April 2015 sowie vom 11. März 2016 mitgeteilt, ist bei der grenzüberschreitenden Nutzung von Fahrzeugen Vorsicht geboten! So können sowohl Zoll- als auch Mehrwertsteuerrisiken im In- und Ausland resultieren.

Geschäftsfahrzeuge

  1. MWST-Risiken im Ausland

Stellt ein in der Schweiz domizilierter Arbeitgeber seinem in der EU wohnhaften Mitarbeiter ein Geschäftsfahrzeug zur Nutzung für den Arbeitsweg sowie ggf. zur allgemeinen privaten Nutzung zur Verfügung, kann dies eine Mehrwertsteuerpflicht des Schweizer Arbeitgebers im Wohnsitzland des Mitarbeiters bewirken. So stellt die (regelmässige) Zurverfügungstellung des Geschäftsfahrzeugs in Österreich und in Deutschland aus Mehrwertsteuersicht eine entgeltliche Leistung (Vermietung) an den Mitarbeiter dar, welche am Wohnsitz des Mitarbeiters als erbracht gilt und auch dort mehrwertsteuerlich abzurechnen ist (unabhängig davon, ob in der Schweiz der Privatanteil versteuert wird). In Österreich gelten diese Regelungen seit dem 1. Januar 2013, in Deutschland seit dem 1. Juli 2013.

Wird einem in Deutschland oder in Österreich wohnhaften Mitarbeiter ein Geschäftsfahrzeug zur Verfügung gestellt, hat sich der Schweizer Arbeitgeber im entsprechenden Wohnsitzland des Mitarbeiters für Zwecke der Mehrwertsteuer zu registrieren (Finanzamt Konstanz bzw. Graz-Stadt) und die Mehrwertsteuer mit den dortigen Steuerbehörden abzurechnen.

Aktuell prüfen nach unseren Kenntnissen insbesondere die österreichischen Steuerbehörden vermehrt, ob solche Sachverhalte vorliegen. Sollte der Schweizer Arbeitgeber in Österreich noch nicht MWST-registriert sein, wird er zur Registrierung aufgefordert. Dies kann auch Bussen und/oder Strafen zur Folge haben.

  1. Zoll-Risiken im Ausland

2.1 Allgemeine Regelungen

Nebst den Mehrwertsteuerrisiken sind bei der grenzüberschreitenden Nutzung von Fahrzeugen auch immer mögliche Zollrisiken zu beachten (sowohl in der EU als auch in der Schweiz).

Nutzt ein im Ausland wohnhafter Mitarbeiter eines Schweizer Arbeitgebers ein:

  • in der Schweiz verzolltes und immatrikuliertes Fahrzeug für private Zwecke, besteht ein Zollrisiko in der EU und das Fahrzeug muss gegebenenfalls in der EU verzollt werden;
  • in der EU verzolltes und immatrikuliertes Fahrzeug (eigenes oder Geschäftsfahrzeug) in der Schweiz nebst Privatfahrten (inkl. Arbeitsweg) auch für geschäftliche Zwecke des Schweizer Arbeitgebers (z.B. Kundenbesuche), muss das Fahrzeug zwingend in der Schweiz verzollt werden.

Mit einer (Doppel-)Verzollung kann das Zollrisiko minimiert werden. Es ist jedoch im Einzelfall zu analysieren, ob dies vorteilhaft ist oder ob andere Lösungen angestrebt werden sollen. Nebst den zollrechtlichen Aspekten sind zudem Fragen zur Verkehrszulassung / Immatrikulation zu prüfen.

2.2. Aufgepasst bei Mietfahrzeugen

Mit der Inkraftsetzung des Unionszollkodex der Europäischen Union per 1. Mai 2016 wurden auch die Zollvorschriften für die Nutzung ausländischen (z.B. schweizerischen) Mietfahrzeugen in der EU verschärft. So dürfen in der EU wohnhafte Personen grundsätzlich nur noch in der EU verzollte Mietfahrzeuge innerhalb des Unionsgebietes nutzen.

  1. Fazit

Die grenzüberschreitende Nutzung von Fahrzeugen ist weiterhin mit Risiken verbunden. Um unnötige Strafen und Bussen zu vermeiden, ist eine Analyse der Zoll- und Mehrwertsteuersituation zu empfehlen.

Bitte beachten Sie, dass die Nutzung von Fahrzeugen aufgrund von FABI auch bei der reinen Inlandnutzung Auswirkungen hat. Eine generelle Analyse der Fahrzeugthematik (u.a. einkommenssteuer-, sozialversicherungs- und arbeitsrechtliche Aspekte etc.) ist somit per se zu empfehlen.

Nutzen Sie die Gelegenheit, am 30. November 2016 im Kurs „Geschäftsauto und Reisespesen: klare Sicht im Gesetzesparcours – letzte Gelegenheit“ die Nutzung von Fahrzeugen gesamtheitlich zu diskutieren.

Für Fragen stehen Ihnen Christina Haas und Marc Oliver Müller gerne zur Verfügung.

Christina Haas Bruni

PwC | Senior Manager Customs&VAT
Office: +41 58 792 5124

Email: christina.haas.bruni@ch.pwc.com

Marc Oliver Mueller

PwC | TLS VAT / Manager
Office: +41 58 792

Email: marc.oliver.mueller@ch.pwc.com

 

This entry was posted in Customs, EU-MWST, EU-Zollrecht, Finanzamt Konstanz, Mehrwertsteuer, MWST, Reiseverkehr, Umsatzsteuer, Uncategorized, VAT, Zoll allgemein, Zollanmeldung and tagged , , , , , . Bookmark the permalink.

One Response to Grenzüberschreitende Nutzung von Fahrzeugen – Aufgepasst, die Zoll- und Steuerbehörden sind aktiv

  1. Pingback: Grenzüberschreitende Nutzung von Fahrzeugen – Aufgepasst, die Zoll- und Steuerbehörden sind aktiv | VATelse

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s